Bestens vernetzt

11. Oktober 2009

Welt am Sonntag, Welt-Online 17.05.2009

Von Guido Nedden

Serie über Multimedia-Netzwerke zu Hause, Teil I: Vernetzung. Über Kabel, Funk oder Stromleitungen lassen sich Musik, Videos und Fernsehbilder in der Wohnung verteilen. Am besten ist eine Kombination der Techniken

In ihrer Werbung preisen Hersteller fast alle ihre Produkte als netzwerkfähig an – als das besondere Etwas. Das klingt nach aktuellem Stand der Technik und nach bequemer Steuerung aller Medien über ein Gerät. Grundsätzlich stimmt das auch, es fehlt aber noch das Netzwerk, das Fernseher, Computer, Notebook, MP3-Spieler, DVD-Player, Audioanlage und Spielekonsole miteinander verbindet. Über solche Netzwerke können mehrere Nutzer nicht nur gleichzeitig im Web surfen und auf Computerdaten zugreifen. Es lassen sich auch Bilder austauschen, Musik auf alle Lautsprecher im Haus verteilen und Videos auf dem TV-Gerät ansehen. Notwendig dafür ist ein Betriebssystem auf dem Rechner, das Netzwerkverbindungen unterstützt, sowie die Verbindung über Kabel, Funk oder Stromleitungen.

Ein Funknetzwerk (WLAN) oder eines mit Kabelverbindung (LAN) lässt sich mit herkömmlichen DSL-Routern oder -Modems einrichten. Funk hat den Vorteil, dass Nutzer in der Lage sind, von jedem Ort auf die Daten zuzugreifen. So können sie sich mit einem Laptop oder Netbook frei in der Wohnung bewegen, während sie mit dem Internet in Verbindung bleiben.

Einer der größten Nachteile ist allerdings das Tempo des Datenflusses. Das WLAN ist enttäuschend langsam, wenn größere Datenmengen im Netzwerk von Rechner zu Rechner kopiert werden. Vor allem ist die Funkreichweite gering. Der WLAN-Router kann oft Rechner, die in einer anderen Etage postiert sind, oder Geräte wie Netzwerkspeicher (NAS), Server und Netzwerkdrucker, die im Keller stehen, nicht erreichen.

Neben der Funkübertragung gibt es zwei wichtige Techniken, um Rechner miteinander zu verbinden: das klassische Kabel-Netzwerk und die Vernetzung über Stromleitungen (Powerline).

Kabel-Netzwerk

Wie schnell Daten durch das Netzwerk übermittelt werden, gibt die Datenrate in Megabit oder Kilobit pro Sekunde an. Für die höchsten Datenraten sorgt immer noch die Übertragung via Kabel in einem sogenannten Ethernet. Mit einem Fast-Ethernet, das 100 Megabit pro Sekunde erreicht, ist die Geschwindigkeit so hoch, wie es Funk-Netzwerke des aktuellen WLAN-Standards 11n nur bei optimalen Bedingungen und auf kürzester Distanz schaffen. Noch schneller geht es mit einem Gigabit-Ethernet.

Die Kosten für ein Ethernet sind gering. Eine Fast-Ethernet-Schnittstelle haben sogar günstige PCs sowie Note- und Netbooks an Bord. Sofern es nicht im Lieferumfang des DSL-Routers enthalten ist, brauchen Nutzer nur noch ein entsprechendes Netzwerkkabel. Ein fünf Meter langes Kabel kostet sieben Euro. Es gibt die Leitungen in unterschiedlichen Qualitäten, von CAT-1 bis CAT-7. Zu empfehlen ist mindestens die Kategorie CAT-5. Über einen Switch (siehe Glossar) lassen sich mehrere Rechner indirekt miteinander verkabeln. Dieser ist meist in den Routern enthalten. Ein neuer Fast-Ethernet-Switch kostet 15 Euro.

Im Unterschied zu Funk-Netzwerken sind die klassischen Kabelnetze sehr sicher. Ohne direkten Zugriff können Unbefugte die Daten nicht abfangen. Den größten Installationsaufwand bereitet das Netzwerkkabel selbst. Zwar ist es recht einfach an Rechner und DSL-Router anzuschließen, es könnte aber zur Stolperfalle werden, wenn es frei in der Wohnung auf dem Boden liegt. Die steifen, sperrigen Kabel sind nicht leicht zu verlegen, und wegen der etwa zwölf Millimeter breiten Stecker müssen Nutzer große Löcher bohren, um eine Datenleitung von einem ins andere Zimmer zu legen.

Powerline

Sollte es nicht möglich oder zu umständlich sein, Rechner in andere Zimmer über Kabel oder Funk in das Netzwerk einzubinden, hilft die Vernetzung über Stromleitung. Die Technik dafür bezeichnen Anbieter als Powerline, Homeplug oder DLAN. Die Anforderungen zur Einrichtung einer solchen Verbindung sind niedrig, da Steckdosen und Stromkabel meist in jedem Raum vorhanden sind. Für jeden einzelnen Rechner, der über Powerline angeschlossen wird, benötigt der Nutzer einen Adapter, der mindestens 45 Euro kostet.

Die Datenübertragung lässt sich mit der beiliegenden Software verschlüsseln. Die Datenraten können in der Praxis durchaus 60 Megabit pro Sekunde erreichen und damit auch hochauflösende Videos weiterleiten. Bei den Adaptern mit geringeren Raten reicht es zumindest zum Websurfen und Verteilen von Musikdaten.

Wie gut das Powerline-System funktioniert, erfährt der Nutzer erst nach der Installation: Die Datenrate richtet sich nach Qualität und Struktur der Stromleitungen sowie nach der Nutzung anderer Stromkonsumenten. Leider gibt es keinen festen Powerline-Standard. Die unterschiedlichen Formate sind zueinander oft nicht kompatibel. Daher empfiehlt es sich, die Powerline-Ausstattung von nur einem Hersteller zu beziehen.

Funk-Netzwerk

Wegen der flexiblen Nutzung bietet ein Funk-Netzwerk mehr Komfort als die kabelgebundenen. Entsprechende WLAN-Router kosten zwischen 70 und 200 Euro. Allerdings gibt es sie meist gegen eine geringe Gebühr oder sogar gratis bei Abschluss eines neuen DSL-Vertrags vom Provider (etwa 35 Euro pro Monat mit DSL- und Telefonie-Flatrate). Wer einen PC oder ein älteres Notebook nutzt, braucht noch einen USB-Stick für WLAN.

Bei aktuellen Laptop- und Netbook-Modellen sowie bei der noch neuen Kategorie der Mini-PCs ist ein WLAN-Modul eingebaut. Ganz neu im Handel ist der Router des Herstellers Belkin, der lediglich49 Euro kostet und trotzdem die meisten Funktionen bietet.

Die Standard-Datenrate von WLAN liegt bei 50 Megabit pro Sekunde. Sind die Daten über nicht mehr als fünf Meter zu übertragen, erreichen manche Router auch etwa 100 Megabit pro Sekunde. Die Funkwellen sind jedoch nicht sehr stabil und werden leicht durch andere WLANs, Möbel, Wände und durch die Wohnung laufende Personen gestört. Über mehrere Etagen funktionieren WLANs nicht. Schon bei 20 Metern überträgt das Netzwerk die Daten sehr langsam.

Wer keine Kabel mühsam hinter Möbeln oder in Kabelschächten verlegen möchte, kann mit einem Repeater oder dem Wireless Distribution System (WDS) die Reichweite des Funknetzes erhöhen. Der Repeater dient der WLAN-Erweiterung und lässt sich zwischen DSL-Router und PC schalten.

Der Fritz WLAN Repeater N/G (70 Euro) von AVM zum Beispiel unterstützt alle wichtigen Funktionen, so etwa die Verschlüsselung der Funk-Netzwerke. Die Installation ist recht einfach, denn der Fritz-Repeater wird einfach in die Steckdose gesteckt. Danach benötigt das Gerät noch eine Software, die es im Internet unter avm.de/repeater zu beziehen gibt und die den Repeater in das bestehende WLAN-Netzwerk installiert. Manuell schließt der Nutzer den Repeater über WLAN an den Computer an und tippt das angegebene Passwort des Geräts ein.

Viele Router können keine Verbindung mit Repeatern herstellen, außer sie kommen von demselben Hersteller. Dafür aber beherrschen die meisten Modelle das Wireless Distribution System (WDS). Das WDS ist für ein größeres Funk-Netzwerk interessant, wenn zwei Router kabellos verbunden werden sollen. Voraussetzung für WDS ist, dass Netzwerkkennung (SSID) und Funkkanal übereinstimmen.

Problem ist auch hier das Sicherheitsmanko: Bei beiden WDS-Geräten muss die Verschlüsselung übereinstimmen. Kommen die Geräte von unterschiedlichen Herstellern, kann der Nutzer nur die leicht zu knackende WEP-Codierung anwenden. Das Sicherheitsrisiko gilt grundsätzlich auch für eine ganz einfache WLAN-Verbindung zwischen Computer und DSL-Router. Immer wenn Funk die Daten überträgt, lassen sie sich abgreifen. Daher sollte jeder als Erstes seine WPA-Verschlüsselung aktivieren.

Um die höchstmögliche Datenrate und Stabilität der Datenverbindung sicherzustellen, müssen sich Anwender nicht für Kabel, Powerline oder Funk entscheiden, die Techniken lassen sich auch kombinieren. So ist es zum Beispiel möglich, die Internetdaten vom DSL-Anschluss im Keller über Stromleitung an den Router im Wohnzimmer zu transportieren. Von dort verteilt sie ein WLAN kabellos in die übrigen Zimmer des Hauses.

=> Welt.de


Wie komme ich günstig ins Internet?

16. März 2009

Welt am Sonntag, Welt-Online 08.03.2009

Wer ins Internet geht, nutzt dafür meist eine DSL-Leitung. Doch dazu gibt es längst flottere und günstigere Alternativen: Ob Mobilfunk, Fernsehkabel, Satellit oder Glasfaser – viele Anbieter buhlen derzeit mit interessanten Angeboten um Kunden. Einige werden vorgestellt.

Von Guido Nedden

Mit vielen auf der Cebit neu vorgestellten Netbooks, Handys und Routern wird es künftig noch einfacher sein, Zugang zum Internet zu bekommen. Unübersichtlich ist dagegen, mit welcher Technik sich das Websurfen zu Hause und unterwegs lohnt und was Nutzer dafür benötigen. Fast alle Anbieter haben in den vergangenen Wochen ihre Tarife aktualisiert und ihre Anschlusstechnik verbessern können.

DSL-Telefonleitungen: Am häufigsten genutzt werden Internetanschlüsse über die Telefonleitung. Eine Doppel-Flatrate für Telefon und DSL bietet Freenet wie andere Mitbewerber auch in seinem Komplett-Paket. Bei einer Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren kostet die DSL-Bandbreite von bis zu 16 Megabit pro Sekunde einschließlich kostenloser Telefonie ins deutsche Festnetz und für 19 Cent die Minute in deutsche Mobilfunknetze im ersten Jahr 20, danach 30 Euro. Bei jedem Anbieter empfiehlt es sich zu prüfen, ob DSL mit dieser Bandbreite für die jeweilige Adresse überhaupt möglich ist.

Bei Alice gibt es mit dem Comfort-Paket eine Doppelflatrate für DSL (bis zu 16 Megabit pro Sekunde) und kostenloser Festnetztelefonie für 40 Euro im Monat. Vorteil ist, dass man hier jeweils zum Monatsende kündigen kann. In der Regel ist die WLAN-Box für den Telefonanschluss und die Funkverbindung im Vertrag enthalten, zumindest für Neukunden.

DSL über die Telefonleitung ist günstig und einfach in Betrieb zu nehmen, allerdings erreichen die Datendurchsatzraten oft nicht die versprochenen Höchstraten. Mehr als 300.000 Messergebnisse von “Computer Bild”-Lesern haben ergeben, dass viele nur Bandbreiten zwischen acht und zwölf Megabit pro Sekunde statt der versprochenen 16 Megabit an Geschwindigkeit bekamen. Mit durchschnittlich80 Prozent der versprochenen Geschwindigkeit hat Arcor hier am besten abgeschnitten, Schlusslicht war HanseNet (Alice).

In Stabilitätstests hat sich gezeigt, dass die Telekom-Bandbreiten recht stabil sind. Dafür verlangt der Konzern aber auch 54 Euro pro Monat. Dabei zahlen Kunden für ein Telefonat mit Handy-Nutzern nur 12,9 Cent die Minute. Mit einem WLAN-fähigen Notebook lassen sich außerdem die Telekom-Hotspots mit öffentlichen Funknetzwerken gratis nutzen.

Mobilfunk: Neben den oft recht teuren mobilen Internetverbindungen über Einzelabrufe bieten die meisten Unternehmen Flatrates an. Interessant sind Kombinationen aus DSL- und UMTS-Mobilfunk-Angeboten. Vodafones Surf-Comfort-Paket zum Beispiel bietet die Möglichkeit, über eine Mobilfunkverbindung zum eigenen Router im Haus mobil online zu gehen. Die ersten drei Monate ist das kostenlos, danach kostet es neun Cent pro Minute.

Im Gegensatz zu den üblichen Angeboten anderer DSL-Anbieter werden die WLAN-Box sowie der UMTS-Stick samt SIM-Karte nicht von Vodafone gestellt, sondern kosten insgesamt 40 Euro. In den ersten sechs Monaten sind jeweils 20 Euro, danach 30 Euro für das Surfen über DSL und UMTS zu zahlen. Danach berechnet Vodafone für die Verbindungskosten neun Cent pro Minute. Vorteil ist, dass der Nutzer den UMTS-Stick auch in der USB-Schnittstelle seines Notebooks unterwegs nutzen kann. Dabei kommt der jedoch nur auf eine Bandbreite von sechs Megabit pro Sekunde.

Glasfaser: Wer zusätzlich über Internet digitale TV-Kanäle empfangen will, sollte auf das teurere VDSL 50 setzen, das mit 50 Megabit pro Sekunde in mehr als 50 deutschen Großstädten und naher Umgebung bereits von der Telekom ausgebaut ist. Einschließlich Empfang des Internetfernsehens mit mehr als 120 Programmen und Set-Top-Box mit Festplattenrekorder sind dafür etwa 90 Euro im Monat zu zahlen.

Fernsehkabel: Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland bieten nicht nur digitales Kabelfernsehen, sondern auch eine Internet- und Telefonie-Flatrate mit 32 Megabit pro Sekunde für 23 Euro im Monat an. Über das digitale Fernsehkabel werden hier auch die Internet- und Telefoniedaten recht stabil übertragen. Für die Nutzung stellt Kabel Deutschland eine WLAN-Box zur Verfügung. Die kabellose Verbindung zum Computer verläuft genauso wie beim üblichen DSL.

Fernsehkabel ist dem VDSL-Telefonkabel grundsätzlich technisch überlegen. In Internetbandbreite umgerechnet hat das TV-Kabel schon heute eine maximale Übertragungskapazität von fünf Gigabit pro Sekunde. Für den Fernsehempfang stellt Kabel Deutschland allen Kunden eine separate Bandbreite für 33 analoge und 200 digitale Fernsehprogramme zur Verfügung. Bei den Breitband-Anschlüssen über DSL müssen sich digitales Web-Fernsehen und Internet die Bandbreite dagegen teilen.

Satellit: Die Bundesregierung will den Breitbandzugang in ganz Deutschland flächendeckend ausbauen lassen, noch aber gibt es große Lücken für schnelles Internet über DSL- und Fernsehkabel. Gerade im ländlichen Raum kann daher DSL über Satellit eine Alternative sein. Allerdings erreicht die Satellitentechnik derzeit nicht die hohen Bandbreiten bis zu vier Megabit pro Sekunde. Je nach Anbieter werden als Satellit entweder Eutelsat oder Astra genutzt, die eher vom Fernsehempfang bekannt sind. Neben der obligatorischen Schüssel mit digitalem LNB-Signalwandler wird ein DVB-Receiver für Satellitenfernsehen benötigt.

Der Empfang von Datenpaketen aus dem Internet ist kein Problem, der Rückkanal allerdings ist technisch kompliziert, da die üblichen Satellitenschüsseln keine Daten für ein Upload senden können. Erst seit etwa einem Jahr gibt es Zwei-Wege-Lösungen für Privatkunden, die halbwegs bezahlbar sind. Kunden können die benötigte Ausstattung mieten oder den Hardware-Preis auf die monatlichen Gebühren umlegen lassen.

Mit der “Bild”-DSL-Initiative gibt es ein Angebot von 47 Euro pro Monat mit einer Bandbreite von 1024 Kilobit pro Sekunde zum Herunterladen von Daten und 128 Kilobit pro Sekunde im Upload. Mit Ausnahme von einmalig 15 Euro für die LNB-Halterung kostet die Hardware nichts. Fürs Telefonieren über Flatrate sind zusätzlich 13 Euro im Monat oder für 120 Freiminuten fünf Euro im Monat zu zahlen.

Mit seinem deutschen Partner Filiago bietet der Luxemburger Satellitenanbieter Astra sein System Astra2Connect an, das es den Kunden ermöglicht, breitbandiges Internet zum Pauschalpreis zu bekommen. Der Hardwarepreis für die spezielle Satellitenschüssel, LNB, Kabel, Halterung und Modem liegt bei einmaligen 320 Euro, die aber umgelegt auf die monatliche Gebühr mit zusätzlichen 13 Euro werden. Das Flatrate-Paket 2048 kostet 80 Euro im Monat. Die einmaligen Einrichtungskosten belaufen sich auf 100 Euro. Angesichts der Preise lohnt sich Internet via Satellit nur für Kunden in Gebieten, in denen es wirklich keine andere Breitband-Versorgung gibt.

==> Welt-Online


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