Flache Fernseher im Vergleich

11. Februar 2008

Welt am Sonntag und Welt-Online, 13.01.2008

Auch TV-Geräte der erfolgreichen, kleinen 80-Zentimeter-Klasse zeigen schon hochaufgelöste Digitalbilder. Die vier wichtigsten Modelle im Überblick.

Von Guido Nedden

Der Media Markt am Berliner Alexanderplatz hat zwei große Bildschirme aufgestellt. Der eine zeigt Fernsehen in herkömmlicher, der andere in hochaufgelöster, digitaler TV-Technik (HDTV). Damit das auch jeder Kunde merkt, stehen die Informationen in großen Buchstaben darunter. Ansonsten wäre der Effekt gar nicht zu bemerken.

Noch weniger fällt auf, ob ein TV-Gerät die Bilder in „HD ready“ oder in „Full HD“ liefert. Das gilt zumindest für die meistgekauften Einstiegsmodelle der 32-Zoll-Klasse mit ihren 80-Zentimeter-Bildschirmen. Vier Fernseher dieser
Klasse liefern ganz besonders ruckelfreie, kontrastreiche und scharfe Bilder in HDTV (Tabelle mit technischen Daten kann hier nicht publiziert werden).

Mit der vollen Auflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten (Full-HD) punktet Sharps Modell LC-32X20E. Die anderen Modelle haben eine Auflösung von 1366 mal 768 Bildpunkten und zählen zur HD-ready-Kategorie. Die LCD-Fernseher KDL-30D3000E von Sony, 32LB75 von LG Electronics und Panasonics TX-32LX70F behelfen sich mit einem Trick. Sie können die größere HD-Auflösung ohne Weiteres empfangen. Sie rechnen aber die eingespielten, hochaufgelösten Digitalbilder auf ihre Bildschirmgröße herunter.

Daher kommen diese Geräte zu Recht zu dem Logo „HD ready“. Auf HD-Fähigkeit sollte man achten, das gehört bei den Flachbild-Geräten mittlerweile schon zum Standard. Selbst ARD und ZDF werden in diesem Jahr für zahlreiche Sendungen das HDTV-Format verwenden. Außerdem hat sich das Bildformat von 16:9 durchgesetzt und den alten PAL- der Röhrenstandard von 4:3 abgelöst.

Beim Panasonic TX-32LX70F fällt vor allem auf, wie sehr die Farben auf dem Bildschirm leuchten. Landschaften sind in ihrer ganzen Tiefe und Weite zu sehen, die Gesichter der Akteure erscheinen lebendig und nah. Bei schnellen Kameraschwenks kann das Bild ein wenig ruckeln. Das kann zumindest bei Sportübertragungen stören. Über die Fernbedienung lässt sich auch die Schärfe gut regeln. Damit werden beispielsweise Schattenränder an Schriften ausgeblendet.

Bei seinem KDL-30D3000E hat Sony vor allem für vielfältige Empfangsmöglichkeiten gesorgt. Der Fernseher verfügt über einen Anschluss für DVB-T (digitales Antennenfernsehen) sowie für einen analogen Kabeltuner. Als einziges der vier Modelle bietet das Sony-Gerät noch Empfang für DVB-C (digitales Kabelfernsehen). In den eingebauten Schacht lässt sich die Smartcard schieben, um die im digitalen Kabelnetz verschlüsselten Sender freizuschalten. Zu den Stärken des Sony-Fernsehers gehören vor allem rauscharme Fernsehbilder. Darüber hinaus gibt der Bildschirm die Gesichter wirklichkeitsgetreu wieder und zeigt natürliche Hauttöne.

Um die beste Bildqualität zu erleben, reicht jedoch HD-Technik allein nicht aus, auch der Abstand zum Fernsehgerät muss stimmen. Dieser bemisst sich aus der Bildschirm-Auflösung und der Displaygröße. Bei 32 Zoll erscheinen die Bilder am klarsten in einer Entfernung von 1,8 Metern. Es sollten mindestens 60 Zentimeter und höchstens zwei Meter sein.

Eine besondere Technik für klare Bilddarstellung setzt der Hersteller LG Electronics bei dem Modell LG 32LB75 ein. Das Intelligent Eye-Verfahren passt automatisch Helligkeit, Kontrast und Farbe an die Bedingungen in unmittelbarer Umgebung an. Auch wer nicht direkt vor dem Fernseher, sondern in einem Winkel von 178 Grad vor dem Bildschirm steht, sieht das technisch bestmögliche Bild. Eingebaut sind außerdem ein Empfänger für DVB-T und ein elektronischer Programmführer (EPG). Damit können Zuschauer lesen, was in den kommenden Tagen im Programm läuft.

Einziger Full-HD-Fernseher unter den vier Modellen ist der Sharp LC-32X20E. Er verfügt über eine Reaktionszeit von nur sechs Millisekunden. Je geringer dieser Wert, desto seltener zieht das Bild bei schnellen Bewegungen Schlieren nach. Bei den vielen privaten TV-Sendern sind die Werbeunterbrechungen oft lauter als der gezeigte Film. Sharp hat seinen Fernseher mit der Funktion Auto-Volume-Control ausgestattet. Sie regelt die Lautstärke der Spots automatisch auf das Filmniveau herunter.

Allen vier Modellen gemeinsam ist die Ausstattung mit einem LC-Bildschirm. Mittlerweile hat sich die LCD-Technik deutlich gegenüber der Plasmatechnik durchgesetzt, zumindest an Marktanteilen gemessen. Größter Vorteil des Plasmabildschirms ist jedoch das sehr hohe Kontrastverhältnis.

Bei den LC-Displays steuern Flüssigkristalle in den einzelnen Bildpunkten die Lichtdurchlässigkeit. Im Rücken der Bildschirme leuchten Kaltkathodenstrahler, und die Flüssigkristalle lassen diese Lichtstrahlen je nach Inhalt des Bildes zur Displayoberfläche passieren oder blenden sie ab.

Über die häufig beworbene „dynamische Backlightsteuerung“ können Hersteller bei Bewegtbildern tatsächlich die Qualität erhöhen. Bei Standbildern aber sind kaum Unterschiede zu erkennen. Nicht alle hohen Werte in Datenblättern stehen auch für beeindruckende Bilder (siehe Kasten unten). Neben der HD-Fähigkeit haben die Hersteller die neuen Modelle mit weiteren, interessanten Technologien ausgestattet.

Bei den ersten LCD-Fernsehern verschwammen noch schnelle Bewegungen, es bildeten sich störende Klötzchen, und besonders Rot-Töne begannen zu flackern. Diese Fehler sind kaum noch zu beobachten. Flimmern und Bewegungsunschärfen bekämpfen die Hersteller mit einer Bildwechselfrequenz von 100 Hertz wie früher bei den Röhrenfernsehern.

Bei den LCD-Geräten ist ein einzelnes Bild so lange zu sehen, bis das nächste folgt. In den üblichen 50 Hertz nimmt das Auge aber diese Bilderfolgen nur verschwommen wahr. Bei einem 100-Hertz-Fernseher zeigt ein einzelnes Bild dagegen nicht mehr acht, sondern nur vier Millisekunden lang. Dabei errechnet die Elektronik des Fernsehers ein zusätzliches Zwischenbild aus je zwei Originalbildern.

Auch das Ruckeln in Filmszenen bekommen die Techniker gut in den Griff, mit Hilfe des 24p-Verfahrens. Hierzu müssen die Filme in ihrer Geschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde zugespielt werden. Der Fernseher nimmt diese Signale an seinem Digitaleingang entgegen und bringt sie mit berechneten Zwischenbildern auf den Schirm. Da flackert der Bildschirm nicht, selbst wenn der argentinische Fußballspieler Lionel Messi durch die gegnerische Abwehr dribbelt.

Kasten:

Darauf ist beim
Kauf zu achten

AUFLÖSUNG
Fernseher ohne Technik fürhochaufgelöstes Digitalfernsehenbringen die Hersteller kaum noch auf den Markt. Seit mehr als einem Jahr bieten fast alle Modelle „HD ready“, seit einigen Monaten auch „Full HD“, das noch schärfere Bilder liefert. Der Unterschied zwischen den beiden Verfahren ist bei kleineren Fernsehern jedoch kaum zu erkennen. Die volle Auflösung liegt bei 1920 mal 1080 Bildpunkten, bei der etwas schwächeren Variante sind es 1366 mal 768 Bildpunkte.

KONTRAST
Bei Plasmamodellen liegt der Kontrast immer etwas höher als bei vergleichbaren LCD-Geräten. Vielfach geben die Anbieter jedoch auch Werte an, die lediglich für bewegte Bilder, jedoch nicht für Standbilder wie bei einer Foto-Diashow gelten. In Prospekten und Datenblättern machen sich jedoch Werte von 10000:1 besser als 1000:1.

REAKTIONSZEIT
Aktuelle Fernseher kommen auf eine Reaktionszeit von etwa sechs Millisekunden. So hoch ist die Geschwindigkeit, die ein Bildpunkt braucht, um an- und abgeschaltet zu werden. Je geringer dieser Wert, desto seltener zieht das Bild bei schnellen Bewegungen Schlieren nach, sondern zeigt klare und ruckelfreie Bilder.

ANSCHLÜSSE
Um hochaufgelöstes Fernsehen auch tatsächlich in voller Qualität auf den Bildschirm zu bekommen, benötigt das Gerät entsprechende Anschlüsse für HD-fähige DVD-Player oder Decoder. Zwei solcher HDMI-Anschlüsse sollten es schon sein. Außerdem wichtig sind häufig zwei oder mehr Scartbuchsen sowie eine Schnittstelle zum Computer.

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